Drogen- und Suchtbericht 2003 Bundesministerium für Gesundheit

Stand: April 2004

Drogenbericht warnt vor Alkoholkonsum bei Jugendlichen

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist auch im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen: auf dem niedrigsten Stand seit 1989. Gefährlich entwickelt sich jedoch der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen.

Bei den Drogentoten ist im Jahr 2003 ein weiterer Rückgang um 2,4 Prozent (2002: 17,5 Prozent) zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr starben in Deutschland 1.477 Personen (2002: 1.513 Personen) an den Folgen ihres Rauschgiftkonsums. Damit ist die Zahl der Drogentoten 2003 auf den niedrigsten Stand seit 1989 gesunken. Dies geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2003 hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, am 22. April in Berlin vorgestellt hat.

"Die Auseinandersetzung mit Drogen- und Suchtproblemen ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Um die suchtbedingten Probleme nachhaltig einzudämmen, müssen wir eine Risikodebatte über den Umgang mit Suchtmitteln fest in der Gesellschaft verankern. Was wir brauchen, ist eine Kultur des Hinsehens - keine Kultur des Wegsehens, ob aus Gleichgültigkeit oder falsch verstandener Rücksichtnahme", so Marion Caspers-Merk anlässlich der Vorstellung des jährlich vorzulegenden Drogen- und Suchtberichts.

Junge Menschen vor den Gefahren durch erhöhtem Alkoholkonsum schützen (nach oben)

Die Drogenbeauftragte wies darauf hin, dass der Konsum legaler Drogen weit mehr Todesopfer fordere. So sterben jedes Jahr rund 40.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Bundesweit sind die Fallzahlen stationärer Aufenthalte von Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen in den Jahren 2000 bis 2002 um 26 Prozent gestiegen.

Besonders erschreckend ist hier die Entwicklung bei den 10- bis 17-jährigen Mädchen: Im Jahr 2000 lag ihr Anteil an der Gesamtzahl der Alkoholvergiftungen noch bei rund einem Drittel, im Jahr 2002 war bereits jeder zweite Fall einer Alkoholvergiftung ein Mädchen. Um diesen beunruhigenden Trend zu stoppen, hat die Bundesregierung in 2003 das Pilotprojekt "H.A.L.T" auf den Weg gebracht. "H.A.L.T" soll hochriskanten Alkoholkonsum, zum Beispiel das so genannte "binge-drinking", unter jungen Menschen wesentlich zu verringern und die Jugendliche besser aufklären. Ab Mitte dieses Jahres soll "H.A.L.T" als Bundesmodell mit Beteiligung der Länder bundesweit durchgeführt werden.

Suchtvorbeugung bei Kindern und Jugendlichen hat Priorität (nach oben)

Die zunehmenden exzessiven Trinkerfahrungen sind auch auf die so genannten Alcopops zurückzuführen: süße und fruchtige alkoholische Mixgetränke. Alcopops gehören bei Minderjährigen, insbesondere unter Mädchen, mittlerweile zu den beliebtesten alkoholischen Getränken. Die Mixgetränke enthalten soviel Alkohol wie ein doppelter Schnaps, der durch süße Zutaten und Aromastoffe aber kaum wahrgenommen wird.

Ein aktueller Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht daher vor, die Abgabe von Alcopops an Jugendliche unter 18 Jahren zu verbieten. Auch sollen die bunten Mixgetränke teurer und damit für Jugendliche unattraktiver werden. Das Gesetz soll zum 1. Juli 2004 in Kraft treten.

Aktionsprogramm Tabakprävention: Nichtrauchen soll der Normalfall werden (nach oben)

Über 110.000 Menschen sterben jährlich vorzeitig an den Folgen tabakbedingter Krankheiten. Gerade das Einstiegsalter für das Rauchen ist mit 13,6 Jahren erschreckend niedrig. Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, in den nächsten Jahren insbesondere den Anteil der rauchenden Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren von derzeit 28 auf 20 Prozent zu senken.

"Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit", so Caspers-Merk. Untersuchungen haben belegt, dass nur ein Bündel von gesetzlichen, präventiven und strukturellen Maßnahmen, ein sog. "Policy Mix", zu einer nachhaltigen Reduzierung des Tabakkonsums führt.

Nur wer seine Sucht überlebt, kann aus ihr aussteigen! (nach oben)

Das Angebot von Überlebenshilfen bildet eine eigenständige Säule innerhalb der Drogen- und Suchtpolitik. Es richtet sich an schwerstabhängige Menschen, deren Überleben es zunächst zu sichern gilt. Diese Suchtkranken sind oftmals erst dann in der Lage, den Weg einer Therapie einzuschlagen, wenn sie sich durch die Nutzung von Überlebenshilfen stabilisiert haben. Überlebenshilfen verfolgen also eine doppelte Zielsetzung: Sie retten zunächst Leben, um die Suchtkranken dann einer effektiven Behandlung zuzuleiten.

Aktionsplan Drogen und Sucht (nach oben)

Die Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung wurde 2003 mit der Verabschiedung des "Aktionsplanes Drogen und Sucht" weiterentwickelt. Er löst den "Rauschgiftbekämpfungsplan von 1990 ab und gibt die Strategie vor, wie die Suchtprobleme in der Gesellschaft in den nächsten fünf bis zehn Jahren reduziert werden sollen. Kerngedanken sind zielgruppengerichtete Prävention, Einbeziehung sog. legaler Suchtstoffe, wie Alkohol, Tabak und Medikamente, sowie internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Drogenproblematik.