Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle 2004
Daten aus 26 Ländern

Regelmäßiger und intensiver Cannabiskonsum nimmt zu. Dies ist ein Ergebnis des im November 2004 veröffentlichten Berichts der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD), in dem Daten aus 26 Ländern verglichen werden.

Ca. 15% der 15-16jährigen Schüler, die Cannabis im vergangenen Jahr zu sich genommen haben, werden als "starke" Cannabiskonsumenten eingestuft, die die Droge mindestens 40 mal jährlich konsumieren.

Deutschland liegt hier mit Ländern wie Spanien, Frankreich, Irland, Slowenien und dem Vereinigten Königreich an der Spitze. Ob die steigenden Behandlungszahlen wegen Cannabisgebrauch auf den Anstieg des regelmäßigen und intensiven Konsums zurückzuführen sind, ist noch nicht gesichert. EU-weit geben 12% aller in Behandlung stehenden Personen und 30% der Erstpatienten Cannabis als Hauptproblemdroge an. In Deutschland ist der Anteil der Erstpatienten, die sich wegen Cannabis in Behandlung begeben, am höchsten. Die immer wieder geäußerte Vermutung, die steigende Wirksamkeit von Cannabis sei für die größere Behandlungsnachfrage verantwortlich, wird von dem Bericht nicht gestützt.

Cannabispatienten sind in der Regel jung, männlich und sozial gut integriert. Die wenigsten begeben sich von selbst in Behandlung. Familie, Freunde, Sozialdienste oder auch Strafvollzugsanstalten sorgen zumeist für die Aufnahme der Therapie. Spezielle Behandlungsmethoden für Personen mit problematischem Cannabiskonsum werden in Deutschland, Dänemark, Griechenland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Schweden und Norwegen angeboten.

Auch die Behandlungszahlen für Menschen mit Kokainproblemen steigen. In den Niederlanden und Spanien ist Kokain nach Heroin die in spezialisierten Behandlungszentren am zweithäufigsten genannte Droge. Mit Besorgnis wird die Verwendung von Streckmitteln wie z.B. Phenazetin beobachtet, das mit verschiedenen Gesundheitsrisiken wie Leber-, Nieren- und Bluterkrankungen in Verbindung gebracht wird.

Ecstasy ist in einigen Ländern (Tschechien, Deutschland, Irland, Niederlanden, Portugal, Vereinigtes Königreich) auf dem Vormarsch. In zwei Drittel aller Mitgliedsstaaten wird von jungen Erwachsenen mehr Ecstasy konsumiert als Amphetamine. Todesfälle im Zusammenhang mit Ecstasy sind aber relativ selten. Auch insgesamt ist die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in den letzten Jahren rückläufig.

Dennoch gehört Deutschland zu den Ländern, in denen seit den 90er Jahren der problematische Drogenkonsum angestiegen ist. Innerhalb der Gesamtgruppe der Personen mit diesem Konsummuster steigt der Anteil von Crackkonsumenten.

In Estland, Lettland, Russland und der Ukraine herrscht große Besorgnis über eine sich schnell ausbreitende HIV-Epidemie. In Westeuropa scheint die Anzahl von HIV-Infektionen, nicht zuletzt durch die geografische Ausdehnung der Nadel- und Spritzenaustauschprogramme, nicht weiter anzusteigen.

Hinsichtlich der Drogenprävention wird aus vielen Ländern von Verbesserungen berichtet. Es wird aber eine stärkere "selektive Prävention" gefordert, die sich an die am stärksten gefährdeten Personen richtet.

Quelle: http://annualreport.emcdda.eu.int/de/home-de.html