Stoffliche und nicht stoffliche Aspekte
Hier finden Sie umfangreiche Informationen zur Beschaffenheit und den Wirkungen der einzelnen Suchtmittel. Die damit verbunden biochemischen Vorgänge finden Sie unter drugs and brain erläutert.
stoffgebunde Suchtmittel (nach oben)
Drogen sind alle Mittel, die in den natürlichen Ablauf des Körpers eingreifen und Stimmungen, Gefühle und Wahrnehmungen beeinflussen. Sie können aus pflanzlichen oder chemischen Grundstoffen gewonnen werden.
Drogen werden auch als Suchtmittel, Rauschmittel oder Rauschgift bezeichnet; zu Drogen gehören aber auch Medikamente und Genußmittel.
Der Besitz, Gebrauch und Vertrieb mancher Stoffe ist verboten. Über 100 dieser Stoffe sind als illegale Drogen im Betäubungsmittelgesetz aufgelistet (verbotene Drogen). Legale Drogen, also Stoffe, die nicht verboten sind, beeinflussen natürlich auch den menschlichen Körper und führen bei Mißbrauch zu Abhängigkeit und Gesundheitsschäden.
Drogen gestern und heute (nach oben)
Drogen sind in allen Kulturen seit Jahrtausenden bekannt. Sie dienen als Heilpflanzen und Gewürze, als Zaubermittel oder Gift. Die berauschende Wirkung mancher Drogen wird bei religiösen Kulten genutzt.
Legale Drogen nimmt fast jeder Mensch, auch wenn es nur die tägliche Tasse Kaffee zum Wachwerden oder das Glas Wein in Gesellschaft ist. Hier - wie auch bei der Einnahme notwendiger Medikamente - nutzt der Mensch die positive Wirkung der Droge.
Drogenkonsum kann sehr gefährliche Folgen haben. Entscheidend ist die soziale, körperliche und seelische Verfassung des Konsumenten. Entscheidend ist auch, wie stark eine Droge auf den menschlichen Körper wirkt und welche Menge eines Stoffes eingenommen wird.
Da Drogen Gefühle und Stimmungen beeinflussen können, besteht die Gefahr, abhängig zu werden: zum Beispiel nicht mehr auf Nikotin verzichten zu können oder immer größere Mengen eines Medikaments zu benötigen. Dieser Drogenmißbrauch führt langfristig fast immer zu Gesundheitsschäden.
sind alle Suchtmittel, deren Herstellung, Anbau, Einfuhr, Besitz oder Verkauf nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten sind. Wer mit illegalen Drogen handelt, sie herstellt, anbaut, einführt oder besitzt, muß mit Geldstrafen - in schweren Fällen sogar mit Freiheitsstrafen - rechnen. Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) soll den Umgang mit Rauschmitteln regeln. Im Gesetz werden über 100 Stoffe genannt, die aus pflanzlichen oder chemischen Grundstoffen gewonnen werden. Dazu gehören zum Beispiel:
Wenn von Drogenkonsum gesprochen wird, sind meist die illegalen Suchtmittel gemeint. Legale Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Medikamente sind aber nicht weniger gefährlich.
Illegale Drogen und Kriminalität (nach oben)
Aufgrund der hohen Gewinne wird trotz des Verbotes überall in der Welt mit illegalen Drogen gehandelt.
Schmuggler und Dealer (Händler) lassen sich ihr Risiko teuer bezahlen, so daß Abhängige große Geldsummen aufbringen müssen, um ihre Sucht bezahlen zu können. Beschaffungskriminalität ist die Folge. Süchtige begehen in ihrer Not Einbrüche und Raubüberfälle, prostituieren sich oder werden selbst zu Dealern, um Geld für den nächsten Trip zu bekommen.
Da jede Kontrolle fehlt, werden Süchtige häufig mit verschmutztem oder minderwertigem Stoff betrogen und fügen sich zusätzliche Gesundheitsschäden zu.
Legale Drogen sind die Suchtmittel, deren Verkauf und Gebrauch in unserer Gesellschaft erlaubt ist. Dazu gehören zum Beispiel:
Die meisten legalen Drogen sind gesellschaftlich akzeptiert.
Obwohl der Gebrauch und Verkauf legaler Drogen nicht strafbar ist, sind legale Drogen keineswegs ungefährlich. Es gibt etwa 120 000 Menschen, die illegale Drogen konsumieren. Von der legalen Droge Alkohol sind circa 2,5 Millionen Menschen abhängig. Auch sie leiden unter erheblichen Gesundheitsschäden.
Legale Drogen, Steuern und Werbung (nach oben)
Rund 35 Milliarden Mark setzt allein die Alkoholwirtschaft jährlich um. 85 000 Menschen arbeiten in dieser Branche. Alkoholische Getränke - ausgenommen Wein - sind mit einer Alkoholsteuer belegt, durch die der Staat jährlich rund 8 Milliarden Mark einnimmt. Für die Alkoholwerbung werden in Deutschland cirka 1 Milliarde Mark ausgegeben. Alkoholmißbrauch verursacht jedoch auch erhebliche volkswirtschaftliche Schäden wie Produktionsausfälle, Belastung des Gesundheitswesens oder Verkehrsunfälle. Die Gesamtkosten hierfür werden auf 3o bis 8o Milliarden Mark geschätzt.
Cirka 800 000 Menschen in Deutschland sind medikamentenabhängig. Schon Kinder und Jugendliche erhalten häufig leistungssteigernde Medikamente und verlernen den drogenfreien Umgang mit Problemen. Die Arzneimittelindustrie investiert etwa 1,5 Milliarden Mark jährlich in die Werbung.
nicht stoffgebundene Suchtmittel
Sucht ohne Drogen ist eine nichtstoffliche Sucht.
Der Abhängige braucht für sein Wohlbefinden keine Droge. Seine Sucht äußert sich in bestimmten Verhaltensweisen, die ebenfalls die Gesundheit schädigen oder schwerwiegende soziale Folgen haben können. Es gibt eine Vielzahl nichtstofflicher Süchte. Die wichtigsten sind:
Darüber hinaus gibt es aber auch die Beziehungssucht, die Sexsucht, die Streitsucht, die Habsucht, die Eifersucht, die Tobsucht, die Selbstsucht.
Von den nichtstofflichen Süchten kann man ebenso abhängig werden wie von den stofflichen. Der Abhängige braucht den Kick, das Hochgefühl durch das Übermaß. Und er versucht das Hochgefühl immer wieder herzustellen. Je öfter er das tut, desto tiefer gerät er in die Abhängigkeit.
Seelische und körperliche Abhängigkeit (nach oben)
Sucht ist fast immer durch körperliche (physische) und seelische (psychische) Abhängigkeit gekennzeichnet.
Die körperliche Abhängigkeit entsteht durch den Mißbrauch einer Droge, die in die natürlichen Abläufe des Körpers eingreift und die Gefühle beeinflußt. Beim Absetzen des Suchtmittels treten Entzugserscheinungen wie Frieren, Durchfall und Übelkeit auf. Ein erfolgreicher Entzug wird deshalb meist in einer Fachklinik durchgeführt. Bei nichtstofflichen Süchten gibt es keine körperliche Abhängigkeit.
Die seelische Abhängigkeit besteht in dem Bedürfnis, die durch die Droge hervorgerufenen angenehmen Gefühle immer wieder hervorzurufen und so das innere Gleichgewicht herzustellen. Die seelische Abhängigkeit hat tiefere Ursachen und muß in der Regel in einer länger dauernden Therapie behandelt werden.
Stadien der Abhängigkeit (nach oben)
Ob stoffliche oder nichtstoffliche Süchte - die Stadien der Abhängigkeit sind immer gleich. Sucht ist ein schleichender Prozeß, sie setzt ein mit dem Kontrollverlust. Das heißt, das Bedürfnis, dem psychischen Reiz zu folgen, wird so mächtig daß man sich ihm nicht entziehen kann. Man wird von ihm abhängig. Nach und nach wirkt der Reiz - etwa das Spielen am Automaten - nicht mehr intensiv genug. Die Dosis muß erhöht werden, das Spielen mit zwei und mehr Automaten beginnt. Oder bei der Arbeitssucht wird das Arbeitspensum erhöht. Bei der Sexsucht tritt an die Stelle des Softpornos die harte Pornografie.
Das Leben konzentriert sich immer mehr auf den reizauslösenden Stimulus. Andere Interessen treten zurück, die Auslösung des Reizes wird immer wichtiger. Es folgt der gesellschaftliche Abstieg, die Zerstörung der Partnerschaft oder Familie. Am Ende steht der Süchtige als seelisches und körperliches Wrack.
Sucht hat immer eine Geschichte (nach oben)
Sucht hat nie eine einzige Ursache: Die Persönlichkeit und die Umwelt, in der ein Mensch aufgewachsen ist oder lebt, entscheiden darüber, ob der Mensch einer Suchtgefahr standhalten kann oder nicht. Das Zusammentreffen mehrerer negativer Erlebnisse belastet jeden Menschen. Wer viele Möglichkeiten kennengelernt hat, Probleme zu bewältigen, ist weniger gefährdet, in eine Sucht zu flüchten.
Suchtvorbeugung muß in der Kindheit beginnen. Hier entwickelt sich das Selbstwertgefühl. Schon das Kind kann lernen, mit Problemen angemessen umzugehen und sein Leben aktiv zu gestalten. So gestärkt kann es später einer Suchtgefahr besser standhalten.
Suchtvorbeugung heißt: Selbständigkeit, Selbstachtung, Selbstfindung und Lebensfreude bei Kindern fördern, Kommunikations- und Konfliktfähigkeiten stärken. Der Aufbau der Ich-Stärke ist zentrales Ziel suchtvorbeugender Arbeit in NRW. Damit Kinder und Jugendliche gerade in schwierigen Lebenssituationen eigenständig entscheiden können 'Nein' zu sagen und Verantwortung (für sich und ihr Handeln) zu übernehmen.
Das elterliche Vorbild ist wichtig. Sie sollten Ihr eigenes Verhalten, zum Beispiel Ihren Umgang mit Arbeit und Freizeit, kritisch kontrollieren. Reden Sie mit Ihrem Kind offen über Sucht und Suchtgefahren. Kinder sollten wissen, wie es zu Süchten kommt und wie diese wirken.